Ihr Lieben. Heute gibt es mal wieder was Exklusives für euch ❤
Jay El Nabhan – Autorin hat uns eine Art „Interview“ zur Verfügung gestellt, in dem sie Nicolae aus Bound to Suffer vorstellt. Viel Spaß beim Lesen,

Der Raum war dunkel, jedoch geräumig und gemütlich eingerichtet. An den Wänden hingen Gemälde, umrahmt von angelaufenem Gold. Die Sessel waren breit und weich, von rotem Samt überzogen. Dem jungen Reporter gegenüber saß ein teilnahmslos wirkender, attraktiver Mann, gekleidet in einem dunklen Anzug. In der Hand hielt er eine schwarze Zigarette, zog einmal daran und ließ sie dann in den silbernen Aschenbecher auf dem Beistelltisch neben sich fallen. Die hellen, stechenden Augen fixierten den Reporter, nagelten ihn fest und durchbohrten ihn förmlich. Sichtbar schluckte dieser, bevor er dem Blick auswich und ein nervöses Lächeln zeigte. Der Blick des Mannes wanderte hinunter zu seiner Kehle, ein schiefes Lächeln erschien auf seinem harten Gesicht, bevor er sich zurücklehnte und die Fingerkuppen aneinanderlegte.
„Nun..“, sagte der Reporter, ein unsicheres Kratzen in der Stimme. „Dann .. erzählen sie mal.“
Er machte seinen Job nicht besonders gut, stellte Nicolae fest, und sein Blick verdüsterte sich für einen Moment. Aber vielleicht wäre es auch jedem Reporter so ergangen, wenn er sich jemandem gegenüber fand, der behauptete, ein Vampir zu sein.

„Ich bin geboren noch bevor euer Jesus auf die Welt kam. In Italien herrschten zu dieser Zeit viele Kriege, und in die meisten davon zog ich ebenfalls als Soldat, der sein Land verteidigte‚ obgleich mir mein Land zugegebenermaßen gleichgültig war. Ich wollte Blut sehen – ich wollte mein Schwert in die Brust derjenigen rammen, die es gewagt hatten, meiner Schwester das Leben zu nehmen. Und ich hatte Blut gesehen – manche würden wohl sagen, es war mehr als genug Blut für ein ganzes Leben, ich jedoch wollte mehr. Ich hatte Geschmack am Töten gefunden, müssen Sie wissen, und ich hatte nicht vor dieses neu gefundene‚ nennen wir es Hobby, wieder aufzugeben.

Ich tat mich mit Leuten meines Kalibers zusammen, jenen Leuten, die die Welt ebenso wie ich einfach nur brennen sehen wollten ‚ ein Aufruhr war genau das, was mir fehlte. Vielleicht sagt ihnen der Bataveraufstand etwas? Nun – den hatte die Stadt mir zu verdanken. Irgendwann wurde mir Italien zu langweilig und ich ging nach Babylon. Es war ein weiter Weg, doch ich ging nicht allein – ich hatte einen Freund in dem Mann gefunden, der mir anfangs so ähnlich zu sein schien. In Babylon fanden wir ein Dorf vor, in dem die Bewohner gänzlich unterdrückt war. Dort herrschte ein .. unangenehmer Mann. Mein Freund und ich rührten die Bewohner auf und es gelang uns, auch hier einen Aufstand biblischen Ausmaßes anzuzetteln. 

 

Wissen Sie .. Sinn und Zweck dieser Aufstände und des vielen Blutvergießens‚ waren territoriale Rivalitäten unter Vampiren. Jeden Vampir verlangte es zu dieser Zeit danach, sein eigenes Reich aufzubauen, Untergebene und Sklaven zu haben – es verlangte sie danach, die Herrschaft zu übernehmen. Menschen sind .. niedere Wesen. Sie sind schwach, langsam und ahnungslos. In ihren Köpfen sitzt weniger Intelligenz als sie sich selbst andichten, und so beschlossen die Vampire sich das zu nehmen, was ihnen zusteht .. sie teilten die Länder auf, unterteilten sie in Territorien und kämpften darum. Ich gebe zu, dies zeugt ebenfalls nicht von hoher Intelligenz, ebenso wenig wie von hohem Niveau ‚ aber das ist diese dunkle Macht in uns – das Tier, das sich mit gierigen Klauen das nimmt, was es haben will. Ebenso wollte auch mein Begleiter Territorien besitzen, er wollte herrschen. Aus irgendeinem für mich unergründlichen Grund wollte er dieses Territorium in Babylon für sich gewinnen, und so hatte er nach wenigen Monaten eine Armee von Vampiren um sich geschart .. und ich war ihr Hauptmann. Nach kürzester Zeit nahmen wir die Gegend ein, und der Besitz ging an meinen alten Freund über. Doch nun hatte er Blut geleckt und wollte mehr – also gingen wir mitsamt unserer Armee nach Transsylvanien – das Mekka der Vampire. Nirgends auf der Welt konnten wir uns so ausleben und so offen zeigen wie dort – die Einwohnerrate der Vampire war im ganzen Land deutlich höher als die der Menschen. Dort führten wir, kaum waren wir angekommen, auch schon den nächsten Krieg – unsere Armee war so groß und beinhaltete so viele mächtige Vampire, dass wir auch diese Schlacht in kürzester Zeit gewannen. Die Vampire in dieser Armee waren jedoch mittlerweile im Blutrausch, vom vielen Bekämpfen und Töten ihrer Artgenossen, und darunter litt die Einwohnerzahl der Menschen erheblich – am Ende waren kaum noch welche übrig.

 

Während dieser Zeit spürte ich, dass ich nicht länger im Schatten meines Freundes zu stehen gedachte – ich wollte selbst die Macht besitzen, die er bis zu diesem Tage stets an sich gerissen hatte. Ich trennte mich von meinem Begleiter, was eine tiefe Narbe in unsere Freundschaft riss, und bildete meine eigene Armee. Ich rekrutierte Vampir um Vampir, bildete sie aus, machte sie zu wahren Killern. Mein Begleiter jedoch fühlte sich von meiner neu gewonnen Macht bedroht und begann, Pläne zu schmieden, um mich aus dem Land zu vertreiben. Doch ich war klug genug gewesen, um einige meiner Leute als Späher zu verwenden .. jene berichteten mir von seinem Plänen und ich begann den Krieg gegen ihn eher, als er ihn erwartet hatte. Während sich unsere Armeen im ganzen Land abschlachteten begegneten er und ich im Zentrum der Blutrünstigkeit. Ohne ein Wort zu sagen lächelte ich ihn an .. und bevor er auch nur einen Finger rühren konnte, lag sein Kopf schon abgetrennt und aus dem Stumpf blutend auf den Boden, die Augen aufgerissen, die Fangzähne sogar schon ausgefahren. Nun .. Sie müssen an dieser Stelle wissen, dass seine …Bediensteten es aufs Schlimmste zu bestrafen gedachten, wenn man ihn tötete. Ich wurde zum Tode verurteilt. Da ich aber nicht geneigt war, meinem .. nennen wir es jetzt einmal Leben, eine Ende bereiten zu lassen, stockte ich meine Armee erneut auf und führte sie zum Sieg gegen das Straf-Kommando, dass aufgrund meiner Straftat zu mir geschickt wurde. Einen nach dem anderen metzelten wir nieder, und am Ende stand ich allein auf den Leichen meiner Mitkämpfer und meiner Gegner. Zufrieden ging ich, Transsylvanien hatte mir nun nichts mehr zu bieten und ich verließ dieses Land. Ab diesem Zeitpunkt zog ich von Ort zu Ort .. und an dieser Stelle können wir einiges überspringen, denke ich. Es sei denn Sie verlangen für ihren Artikel einen genauen Bericht darüber, wie ich jeden einzelnen feindlichen Vampir auf das Blutrünstigste abgeschlachtet habe?“

 

Nervös kritzelte der Reporter auf seinem zerfledderten Block herum, selbst dann noch, als der Vampir die erste Geschichte beendet hatte.

„Nein nein .. das .. das werde ich einfach mal so übernehmen, denke ich‚ ja.. und .. und .. sie sagten etwas von Graf Dracula? Gestern?“

Der Geruch von Angst kroch dem Vampir in die Nase, bevor er sacht nickte. „Dann machen wir doch am Besten dort.. weiter..“

 

„Es war im Jahre 1066, damals traf ich erneut in Transsylvanien ein, welches so viele Jahre zuvor zu einem Teil meiner Heimat geworden war. Es war reine Neugierde, ich wollte sehen, was sich unter den Vampiren dort getan hat. Wie ich bemerkte, existierte dort nun ein neuer Territoriums-Herrscher. Ein recht alter Vampir, aber für meine Verhältnisse war er noch ein Jungspund. Mittlerweile war ich mehr als 1000 Jahre alt. Zeit hatte schon damals kaum Bedeutung mehr für mich. Im Grunde war mir also nur langweilig, und aus diesem Grund erwählte ich einige besondere Vampire und bildete somit eine neue, kleine Armee, ganz im Verborgenen, direkt unter der Nase des herrschenden Vampirs. Danach ging alles sehr schnell – dieser Vampir war noch nicht lange Herrscher dort, und er hatte nicht damit gerechnet dass jemand käme und ihm seinen Posten streitig machen würde. Zwei Jahre später gehörte das Territorium mir. 22 Jahre lang lebte ich dann dort, bis mir die Aktionen des dortigen menschlichen Grafs mehr und mehr in die Quere kamen. Was soll ich sagen‚ ich mag keine Komplikationen, also werden sie beiseite geschafft. Der Name des Grafs war Ludwig, ein ungewöhnlicher Name für einen Transsylvanier. Nun‚ ich war des großen Kampfes müde, also entschloss ich mich dazu, mir den Grafen genauer anzusehen; überraschenderweise war dieser kein Mensch – und ich erblickte die einfachste Lösung für mein Problem. Er war noch sehr jung und dementsprechend unerfahren, also war es ein leichtes, ihn dank meiner Gabe, die ich als Krieger genieße, gefügig zu machen. Meine Kontrolle über ihn war subtil, aber effektiv. Zu meiner Überraschung war er von all meinen untergebenen Vampiren derjenige, der mir am treusten war – und er nahm tatsächlich einige meiner Verhaltensweisen an. Gemeinsam errichteten wir eine Schreckensherrschaft, welche sich auf ganz Transsylvanien ausbreitete. Aus Treue zu mir und um seinem neuen Leben an meiner Seite Ehre zu erweisen, nannte er sich selbst ab sofort Graf Dracula. Zu Beginn begeisterte mich dieser Name wenig – immerhin hatte er die Dreistigkeit, meinen Namen zu verwenden. Letzten Endes jedoch ließ ich ihn gewähren – wahrscheinlich fühlte ich mich geschmeichelt angesichts seines Respekts gegenüber mir, und dem Zugehörigkeitsgefühl, welches er empfunden hatte. Ab diesem Zeitpunkt waren wir unter den Vampiren in Transsylvanien und wohl auch darüber hinaus als die Dracula-Brüder bekannt, wenngleich mein Schützling selbstverständlich nicht einmal annähernd an meinen Rang heranreichte. Leider muss ich sagen, dass diese Geschichte kein schönes Ende hat – unsere rekrutierten Vampire gerieten außer Kontrolle und schlachteten die Menschen förmlich ab – ein Meilenstein in der Geschichte der Vampire. Viele rühmen sich damit, dabei gewesen zu sein, die meisten, wenn nicht alle, lügen jedoch. Der Graf und ich waren nun in der Zwangslage, all diese Vampire hinzurichten, denn sie hatten ein Abkommen verletzt – das Abkommen, welches seit Urzeiten zwischen Vampiren existiert. Wir dürfen uns vor den Menschen nicht offenbaren. Wenn also die.. sagen wir, Obrigkeit, Wind davon bekommt, dass diese Regel verletzt werden könnte, müssen die Verantwortlichen bestraft werden. Damals, vor hunderten von Jahren, sind wir davon verschont geblieben, mein damaliger Begleiter und ich. Uns war nämlich relativ früh aufgegangen, dass die Menschen, wenngleich schwach und ungebildet, ihre eigenen Methoden finden, sich gegen eine stärkere Spezies zu wehren. Nun – wir hielten diese Regel ein indem wir all die Vampire töteten. Daraufhin verließ ich Transsylvanien, ebenso wie den Grafen – ich hatte selbstverständlich im Grunde keinerlei Verwendung für ihn.

 

Gespannt hatte der Reporter ihm gelauscht, der Mund stand ihm noch offen, die Neugierde glitzerte in seinen Augen. Geschichten über Graf Dracula faszinierten jeden, fiel dem alten Vampir auf, welcher sich ein sachtes Schmunzeln gönnte und erneut eine Zigarette aus dem silbernen Etui fischte.

„Unglaublich! Also sind die Geschichten über Graf Dracula gar nicht wahr?“ Die Angst schien kurze Zeit von ihm gewichen zu sein – Menschen waren so leicht zu beeinflussen.

„Doch, das sind sie. Nur geschahen diese Dinge lange nachdem er bereits gestorben ist; seine Blutlinie behielt den Namen Dracula bei. Die Geschichten, die ihr kennt, handeln von einem seiner Nachkommen; lediglich ein Mensch, da seine vampirische Linie ausgestorben ist“, erwiderte Nicolae, zog genüsslich und langsam an der Zigarette und ließ den Rauch in kleinen Kringeln aus Mund und Nase wieder ausweichen.

„Das ist unglaublich interessant, die Leser werden begeistert sein! Was geschah dann ? Sie sagten etwas von einem großen Krieg zwischen Menschen und Vampiren?“

Nicolae nickte sacht, bevor er diese Zigarette ebenfalls in den Aschenbecher beförderte.

 

Wie gefällt das Interview euch?

Bei dem Bild handelt es sich um Fanart. Der Herr darauf ist Eric Belanger.

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